13 août 2013

Berliner Morgenpost – Der Hauseingang, neben dem ein Braunbär lauert – 13.08.2013

13.08.13 Friedrichsfelde

Künstler von Cité Création haben ein 22.000 Quadratmeter großes Fassadenbild gestaltet – ein Fall für das Guinness Buch der Rekorde.

von Monika Arnold

Auch ein Storchennest schmückt die Fassade
Foto: Monika Arnold
Auch ein Storchennest schmückt die Fassade

„Ich wohne unter dem Storchennest“ oder „neben meinem Hauseingang lauert ein Braunbär“ – so oder ähnlich können die Bewohner der anfangs der 1980er-Jahre errichteten Plattenbauten an der Ecke Straße Alt-Friedrichsfelde/Am Tierpark ab sofort die Lage ihrer Wohnungen angeben. Denn dort befindet sich jetzt ein riesiges Fassadenbild. Das etwas von den Alleebäumen verdeckte Gemälde war bei der Befragung zum Giebelbild in der Frankfurter Allee bereits als „sehr gelungenes Beispiel einer schönen Gestaltung“ genannt worden. Nun berichtete selbst das ZDF darüber, weil die Größe der gestalteten Fläche weltweit bisher noch von keinem anderen Bild übertroffen wurde und es deshalb wohl in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen werden wird. („Bunte Platte“).

Auch die Morgenpost informierte im Juli bereits kurz über die Arbeit an dem Wandgemälde (hier). Am 22. August 2013 um 14 Uhr nehmen Vertreter des Lichtenberger Bezirksamts, der Bauherrin und der Künstler die offizielle „Einweihung“ vor. 
Modernes naturnahes Triptychon

Im Jahr 2011 hatte die naturnah bemalte Ecke des elfgeschossigen Wohntraktes zusammen mit den angrenzenden jeweils zwei Wohnungseingängen die Bezeichnung „Friedrichsfelder Tor“ erhalten. Einige große, jetzt „immergrüne“ Bäume reichen bis zur sechsten und siebenten Etage, darüber kreisen mehrere Schwalben. Die zwei oberen orangenen Etagen und die gleichfarbigen Längsseiten markieren ein 30 Meter hohes Tor, für das es jedoch keinen historischen Hintergrund gibt. Der Auftrag wurde von der Eigentümerin, der Wohnungsgenossenschaft „Solidarität“, an die Künstlergruppe erteilt. Die Motive hatten sie selbst vorgeschlagen, teilweise konnten auch die Mieter ihre Ideen einbringen.

Der zweite Teil des Wandbildes entstand entlang von Alt-Friedrichsfelde (zwischen dem „Friedrichsfelder Tor“ und Robert-Uhrig-Straße) und wird „Friedrichsfelder Bilderstadt“ genannt. Durch geschickte Ausnutzung der Fensteranordnung, der Illusion von heruntergezogenen Dachtraufen und weiteren Farbakzenten wurde die Fläche bereits neu belebt und gegliedert. Und auch hier füllen Bäume die unteren Wandflächen, sie sind kaum von den tatsächlich vor den Häusern gepflanzten Laubbäumen zu unterscheiden. 

Der dritte und letzte Teil an der Straßenseite Am Tierpark 12–26 Ecke Massower Straße heißt „Baumhäuser“ und wurde gerade vollendet. Er zeigt Pflanzen und Tiere des Waldes. Freie Stirnflächen erhielten darüber hinaus täuschend echt gemalte Personen an geöffneten Fenstern.

Gedankliche Verbindung zum Tierpark Berlin

 

Alle Teile stellen eine gedankliche Verbindung zum nahe gelegenen Tierpark Berlin dar; sie sind in warmen Farbtönen arrangiert. Die Grund- bzw. Rahmenfarbe für das gesamte Fassadenbild ist rotorange. Insgesamt waren 17 Künstler der Berliner Filiale von Cité création, die Gruppe DekorativeCity, mit dem Auftragen der lebensgroßen Tier- und Pflanzenmotive beschäftigt. Die Wohnhäuser wurden dazu teilweise eingerüstet, teilweise nutzten die Kunstmaler Seilzüge oder Leitern. So dauerte die Arbeit rund drei Jahre. Als Fazit wurden rund 350 Pinsel verbraucht und 13.700 Liter Farbe.

Gegenüber der sonst üblichen flächenhaften einfachen Fassadenfarbe entstanden Mehrkosten von einigen Hunderttausend Euro. Doch die sind „gut angelegtes Geld“, denn kaum einer der in den sanierten Häusern Wohnenden zog oder zieht hier weg, der Leerstand geht gegen Null. Die Mieter fühlen sich wohl und äußern sich begeistert zu dem Riesenbild mit den vielen kleinen interessanten Details. Es entstehen auch kaum illegale Krakeleien. Aber das rekordverdächtige Werk verschönert die gesamte Wohngegend.